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Verkehrslärm - Quellen, Ausbreitung, Prognose
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Lärmwirkungen
Lärm beeinträchtigt das Befinden und Verhalten, komplexe mentale Leistungen und zahlreiche physiologische Funktionen, wobei Störungen des Schlafes besonders gravierend sind. Im Sinne der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Lärm ein gesundheitliches Risiko, das mutmaßlich zur Entwicklung und Manifestation unspezifischer chronischer Erkrankungen beiträgt. Die Verminderung der Schallbelastung führt damit nicht nur zur Verbesserung der Lebensqualität, sondern wird zum wesentlichen Element eines umfassenden Gesundheitsschutzes.
Innerhalb des Gesamtkonzeptes "Leiser Verkehr" hat die Lärmwirkungsforschung zunächst die Aufgabe, in enger Abstimmung mit den technisch orientierten Disziplinen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse bereit zu stellen, die es ermöglichen, den Lärm zielgerichtet zu reduzieren. In einer weiteren Phase sind diese Arbeiten fortzusetzen und die Wirkung auf Personengruppen mit individuell und situativ erhöhtem Risiko zu untersuchen.
Primäres Ziel des hier initiierten Forschungsvorhabens ist es daher - abgesehen von der Pegelabhängigkeit - vorrangig die Wirkung der qualitativen Geräuschparameter zu untersuchen und durch deren gezielte Manipulation eine Verbesserung, d.h. eine Verminderung der Reaktionen auf möglichst allen Ebenen zu erreichen.
Leiser Straßenverkehr
Schon seit den frühen siebziger Jahren bemühte man sich der Lärmbelästigung durch den Straßenverkehr an Brennpunkten mit Hilfe von Lärmschutzwänden und Erdwällen entgegenzuwirken. Weiter hoffte man, dass Anwachsen der allgemeinen Lärmbelästigung durch technische Maßnahmen an den Fahrzeugantrieben verhindern zu können. Seit 1970 wurden dafür die Geräuschgrenzwerte für schwere LKW um 12 dB(A) und für PKW um 10 dB(A) zurückgenommen.
Gleichwohl wurden aber an Autobahnen, Bundesstraßen und im schnelleren Stadtverkehr keine Pegelminderungen beobachtet, da das durch die rollenden Fahrzeugreifen verursachte Reifen-Fahrbahn-Geräusch durch die Grenzwertabsenkungen nicht betroffen wird. Inzwischen ist das Reifen-Fahrbahn-Geräusch zur dominierenden Schallquelle am bewegten Fahrzeug geworden - bei PKW ab 40 km/h, bei LKW ab 70 km/h.
Untersuchungen zum Stand der Technik in den vergangenen 20 Jahren haben gezeigt, dass das Minderungspotential von PKW- und LKW-Reifen auf einer Straßendecke ungefähr 3 dB(A) beträgt. Ähnlich groß ist das Minderungspotential von Straßendeckschichten. Noch nicht vollständig geklärt ist, wie diese Potentiale ausgeschöpft werden können. Erkenntnislücken sind auch noch bezüglich des Zusammenwirkens von Reifen und Straße bei der Geräuscherzeugung vorhanden.
Trotz aller Anstrengungen ist es auch noch nicht gelungen, ein Modell zur Prognose des Vorbeifahrpegels von PKW und LKW abzuwickeln, das dem Straßenbau und Reifenherstellern ausreichend genaue Hinweise zur Herstellung leiserer Straßenoberflächen geben könnte.
Für eine deutliche Reduzierung der Reifen-Fahrbahn-Geräusche ist es notwendig, Reifen und Fahrbahn als Gesamtsystem zu behandeln und zu optimieren, wobei gegen Fahrzeug-Sicherheit, Rollwiderstand und Lebensdauer abzuwägen ist.
Leise Züge und Trassen
Das Ziel der in diesem Verbund vorgeschlagenen Projekte ist es, kurz- bis mittelfristig eine deutliche Lärmminderung im Schienenverkehr zu erreichen. Dies soll mit verschiedenen Methoden erreicht werden. Ein großer Anteil der Projekte geht die Lärmprobleme von der konstruktiven Seite der Fahrzeuge oder der Fahrwege an. Einige Einzelvorhaben zielen auf die Erweiterung des Hintergrundwissens, das notwendig ist, um die nächste lärmarme Schienenfahrzeuggeneration konstruieren zu können. Andere bemühen sich um praktikable akustische Optimierungsvorschläge für den Schienenfahrbestand.
Der Fokus der BMBF-Forschungsförderung liegt zur Zeit in den Bereichen Rad-Schiene-Geräusche und Antriebsgeräusche.